Fallstudie Value Proposition Design: neues Angebot in 3 Terminen

Mein erster Auftrag als Gründer von Solvio kam nicht aus der Produktion, sondern von einer Coaching- und Beratungspraxis: Coni’s Atelier. In drei Terminen über rund vier Wochen entstand mit dem Value Proposition Design ein eigenständiges Angebot für ein Kundensegment, das bis dahin kaum genutzt wurde. Das Prinzip funktioniert in einem Produktionsbetrieb genauso.

  • Kundin: Coni’s Atelier, die Coaching- und Beratungspraxis von Corina-Nicole Wolff-Pfister
  • Einstieg: Insight-Check, danach eine Begleitung über drei Termine
  • Dauer: rund vier Wochen vom Kennenlernen bis zum Abschluss
  • Methode: Value Proposition Design
  • Ergebnis: ein neues Angebot für Unternehmen, mit eigenem Geschäftsmodell
Niklas Hanf und Corina-Nicole Wolff-Pfister gemeinsam am Flipchart
Niklas Hanf und Corina-Nicole Wolff-Pfister am Flipchart

Die Ausgangslage

Als ich Solvio gegründet habe, hatte ich ein klares Bild vor Augen: Produktionsteams und Führungskräfte im Mittelstand dabei unterstützen, ihre Abläufe und ihre Wertschöpfung zu hinterfragen. Meine erste Kundin passte in dieses Bild nicht hinein, und das gleich doppelt.

Coni’s Atelier ist die Praxis von Corina-Nicole Wolff-Pfister für systemisches Coaching, psychologische Beratung, Supervision und Teambuilding. Sie begleitet Einzelpersonen, Solo-Selbstständige und Teams. Fachlich war das für mich Neuland: keine Fertigungshalle, keine Maschinenlaufzeiten, sondern ein sehr persönliches Arbeitsfeld. Und statt eines Workshop-Tags wurde daraus eine Begleitung über mehrere Termine.

Die Frage am Anfang: Für wen ist das bestehende Angebot noch wertvoll, und was braucht es, um diese Zielgruppe zu erreichen?

Ich helfe anderen dabei, ihre Businesspläne zu schärfen. Bei diesem Projekt war mein eigener hinfällig, und genau das war richtig.

Niklas Hanf vor dem Flipchart, auf dem das gemeinsame Projekt festgehalten wurde
Niklas Hanf vor dem Flipchart des gemeinsamen Projekts

Das Vorgehen

Begonnen hat alles mit einem Insight-Check. Er führte nicht zu einer Begehung in der Produktion, sondern zum Value Proposition Design.

Die Methode: Value Proposition Design

Value Proposition Design ist ein bewährtes Werkzeug aus dem gleichnamigen Buch. Es vergrößert zwei der neun Bausteine des Business Model Canvas, das Kundensegment und das Werteangebot, und stellt beide im Detail gegenüber:

  • Kundenprofil: die Aufgaben der Zielgruppe, die Probleme, die ihr dabei im Weg stehen, und die Gewinne, die sie sich erhofft
  • Value Map: die Produkte und Leistungen, die diese Probleme lösen und den erhofften Nutzen verstärken
  • Die Übereinstimmung: Passen beide Seiten zusammen, trifft das Angebot die Zielgruppe

Wir haben uns an der Methode orientiert, ohne jedes Detail des Originals abzuarbeiten. Nicht jedes Projekt braucht die volle Version. Auf gut Deutsch: Zuerst klären, wen wir erreichen wollen und was diese Menschen wirklich brauchen. Erst danach über das Angebot sprechen.

Grafik: Aufgaben, Probleme und erhoffte Gewinne der Zielgruppe stehen Leistungen, Problemlösern und Nutzenstiftern des Angebots gegenüber
Das Prinzip des Value Proposition Design, eigene Darstellung

Drei Termine

  1. 9. Juli 2026, Kundenprofil: Wer ist die neue Zielgruppe, wer entscheidet in der Organisation, und welche Aufgaben, Probleme und erhofften Gewinne hat sie?
  2. 13. Juli 2026, Value Map: Welcher Teil des bestehenden Angebots löst diese Probleme, welcher verstärkt den Nutzen? Ergebnis: Angebot und Zielgruppe passen zusammen.
  3. 20. Juli 2026, Ausarbeitung: Die Ergebnisse wurden zu einem eigenständigen Angebot mit eigenem Geschäftsmodell verarbeitet.

Geplant waren ursprünglich zwei Termine. Nach dem zweiten war klar, dass mehr daraus werden sollte als eine Idee auf dem Papier. Deshalb haben wir das Projekt bewusst um einen dritten Termin erweitert.

Zu jedem Termin gehörte die Arbeit davor und danach: Ergebnisse sichten, auswerten, den nächsten Schritt vorbereiten. Am Ende stand eine ausführliche Dokumentation des gesamten Projekts, kein loses Flipchart-Foto.

Das Ergebnis

Coni’s Atelier begleitet schon heute Einzelpersonen und Teams erfolgreich. Das Projekt zeigte, dass genau diese Erfahrung auch für ein weiteres Kundensegment wertvoll ist: Unternehmen, die die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeitenden aktiv fördern wollen. Angesprochen werden Geschäftsführung, Produktionsleitung, Personalabteilung und betriebliches Gesundheitsmanagement.

Daraus ist ein neues Angebot für Unternehmen entstanden, mit eigenem Geschäftsmodell. Dazu gehört ein Werkzeug, das wir gemeinsam entwickelt haben: Damit führt Coni Gefährdungsbeurteilungen für ihre Unternehmenskunden strukturiert durch. Ich habe das Grundgerüst gebaut, Coni füllt es mit ihrer fachlichen Erfahrung.

„Die Zusammenarbeit hat mich nicht nur weitergebracht, sondern auch ein Arbeitsfeld aufgezeigt, das ich fast ungenutzt gelassen hätte.“

Corina-Nicole Wolff-Pfister, Coni’s Atelier

Was ich mitgenommen habe

Für mich war das Projekt eine Einarbeitung in ein neues Feld: psychologische Beratung, Coaching-Methoden, mentale Gesundheit am Arbeitsplatz. Ohne Conis Erfahrung als ausgebildeter Coach wäre das deutlich schwerer gewesen. Ich habe in den drei Terminen mindestens so viel von ihr gelernt wie sie von mir.

Und ich bin dankbar, dass Coni mir als erste Kundin ihr Vertrauen geschenkt hat. Wir arbeiten weiter zusammen.

Was andere Betriebe daraus mitnehmen

  • Methoden funktionieren über Branchen hinweg. Ein guter Rahmen trägt in der Fertigung genauso wie in einer Beratungspraxis.
  • Erst die Zielgruppe, dann das Angebot. Wer zuerst klärt, was die Zielgruppe wirklich braucht, findet Antworten jenseits der gewohnten.
  • Im Bestehenden steckt oft mehr. Der größte Mehrwert eines Angebots liegt manchmal in einem Kundensegment, an das vorher niemand gedacht hat.
  • In der Produktion sieht dasselbe Prinzip so aus: gemeinsam prüfen, welche Schritte in der Wertschöpfungskette wirklich beim Kunden ankommen. Ein Beispiel dafür ist die Fallstudie Wertschöpfungskette.